In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts entstanden in vielen Ländern Protestbewegungen, die von Studentinnen und Studenten an den Universitäten ausgingen. Der Protest begann in den
USA mit heftigen
Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg. Auch in der
Bundesrepublik Deutschland bildete sich eine solche "Studentenbewegung". Die Studierenden demonstrierten zunächst vor allem gegen die schlechten Studienbedingungen an den Hochschulen. Als 1966 die
Parteien CDU/CSU und SPD gemeinsam eine
Regierung (Große
Koalition) bildeten, weiteten sich die Proteste aus. Immer mehr junge Menschen schlossen sich an, wöchentlich gab es Demonstrationszüge durch die Städte. Die Jugendlichen protestierten gegen die von der Regierung geplanten Notstandsgesetze. Zudem kritisierten sie die
Pressekonzentration. Sie befürchteten, dass der Springer-
Verlag, der über seine
Zeitungen starken Einfluss auf die öffentliche Meinung nahm, immer mehr Macht erzielte und die Meinung im Lande bestimmen könnte. Außerdem richtete sich in Deutschland die Kritik der jungen Leute dagegen, dass über die Zeit des
Nationalsozialismus oftmals gar nicht gesprochen wurde, keine "Aufarbeitung" dieser Zeit stattfand. Viele warfen ihren Eltern vor, dass sie über ihre eigene Rolle im Nationalsozialimus schwiegen.
Diese Bewegung, die ihre Proteste vor allem durch Demonstrationen und öffentlichkeitswirksame Aktionen zum Ausdruck brachte, bezeichnete sich auch als "außerparlamentarische Opposition" (APO). Weil während der großen Koalition die
Opposition im
Bundestag nur geringe Einflussmöglichkeiten hatte, wollten die Studierenden Opposition außerhalb des
Parlaments (außerparlamentarisch) zeigen.
Doch es wurde nicht nur Kritik an
politischen Entwicklungen geübt. Die Studentenbewegung, die auch "68er-
Generation" genannt wurde, lehnte viele traditionelle Lebensformen ab und wünschte sich
gesellschaftliche Veränderungen. Beispielsweise lebten Studentinnen und Studenten in Wohngemeinschaften zusammen, ohne zu heiraten. Manche Demonstranten haben versucht, mit Gewalt (Zerstörung von Autos, Einschlagen von Fensterscheiben u.ä.) ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Nach dem Ende der großen Koalition im Jahre 1969 verlor die APO an Kraft und zerfiel in den 70er Jahren wieder. Gleichzeitig entstanden viele andere Bewegungen wie die Umweltbewegung, die Anti-
Atomkraft-
Bewegung oder die neue
Frauenbewegung.
Gerd Schneider/ Christiane Toyka-Seid
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